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2026-04-23 09:16:47 +02:00
parent ca2ab336d9
commit be286302bf
@@ -1,7 +1,7 @@
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date: 2026-04-20T00:00:00.000Z date: 2026-04-20T07:16:46.000Z
title: Mediale Subjektivierungsordnung title: Mediale Subjektivierungsordnung
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- sociology - sociology
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updated: 2026-04-21T07:38:35.762Z updated: 2026-04-23T07:16:46.703Z
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- https://blog.giersig.eu/articles/mediale-subjektivierungsordnung/ - https://blog.giersig.eu/articles/mediale-subjektivierungsordnung/
@@ -33,7 +33,7 @@ permalink: /articles/mediale-subjektivierungsordnung/
Ein Wal erzeugt wochenlangen Medienwirbel. Tausende Menschen ertrinken still im Mittelmeer. Diese Asymmetrie ist das Ergebnis einer gesellschaftlich codierten Hierarchie des Betrauerbaren. Ein Wal erzeugt wochenlangen Medienwirbel. Tausende Menschen ertrinken still im Mittelmeer. Diese Asymmetrie ist das Ergebnis einer gesellschaftlich codierten Hierarchie des Betrauerbaren.
Wale wurden noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts industriell gejagt und waren Rohstoff für Öl, Fischmehl, Kosmetika. Die Figur des schützenswerten Wals ist eine Konstruktion der 1970/80er, eng verknüpft mit Greenpeace und mit ihnen der Aufstieg der Umweltbewegung als massenmediales Phänomen. Greenpeace hat die Wale als empfindungsfähige, soziale, singende Wesen im kollektiven Gedächtnis verankert. Die “Save the Whales”-Kampagne war die erste massenmedial inszenierte Tierschutzkampagne der Nachkriegszeit und hat den Wal *bedeutungsinvestiert*. Wale wurden noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts industriell gejagt und waren Rohstoff für Öl, Fischmehl, Kosmetika. Die Figur des schützenswerten Wals ist eine Konstruktion der 1970/80er, eng verknüpft mit Greenpeace und mit ihnen mit dem Aufstieg der Umweltbewegung als massenmediales Phänomen. Greenpeace hat die Wale als empfindungsfähige, soziale, singende Wesen im kollektiven Gedächtnis verankert. Die “Save the Whales”-Kampagne war die erste massenmedial inszenierte Tierschutzkampagne der Nachkriegszeit und hat den Wal *bedeutungsinvestiert*.
Diese Bewegung hat den Wal nicht nur gerettet, sie hat ihn zum Symbol für das gemacht, was die Industriegesellschaft vernichtet. Er ist das Gewissen des Fortschritts, anthropomorphisiert und dieses Reservoir ist seitdem kulturell verfügbar. Wer für den Wal mitfiebert, signalisiert: Ich bin auf der Seite des Lebens gegen die Maschine. Ein politisch kostenloses Identifikationsangebot. Diese Bewegung hat den Wal nicht nur gerettet, sie hat ihn zum Symbol für das gemacht, was die Industriegesellschaft vernichtet. Er ist das Gewissen des Fortschritts, anthropomorphisiert und dieses Reservoir ist seitdem kulturell verfügbar. Wer für den Wal mitfiebert, signalisiert: Ich bin auf der Seite des Lebens gegen die Maschine. Ein politisch kostenloses Identifikationsangebot.
@@ -55,7 +55,7 @@ Aufmerksamkeit ist im digitalen Kapitalismus[^3] zur primären Ressource geworde
Wal-Content hat *narrative closure*: er lebt oder stirbt. Das Migrationsgeschehen hat kein Ende. Serialität ohne Auflösung ist schlecht fürs Algorithmus-Geschäft. Wal-Content hat *narrative closure*: er lebt oder stirbt. Das Migrationsgeschehen hat kein Ende. Serialität ohne Auflösung ist schlecht fürs Algorithmus-Geschäft.
Es gibt Leben, die betrauert werden können und solche, deren Verlust eben keine öffentliche Trauer auslöst[^2] . Diese Unterscheidung ist nicht zufällig, sondern strukturell produziert durch Medien, die *rahmen*, was betrauerbar ist. Es gibt Leben, die betrauert werden können und solche, deren Verlust eben keine öffentliche Trauer auslöst.[^2] Diese Unterscheidung ist nicht zufällig, sondern strukturell produziert durch Medien, die *rahmen*, was betrauerbar ist.
Der Wal ist ein perfektes *grievable life*: keine politische Position, keine Fluchtursache, keine Nationalität, keine Religion. Er stellt keine Forderungen. Er repräsentiert keine als bedrohlich codierte Gruppe. Er löst keine Kontroverse über Pushbacks oder Aufnahmequoten aus. Der Wal ist ein perfektes *grievable life*: keine politische Position, keine Fluchtursache, keine Nationalität, keine Religion. Er stellt keine Forderungen. Er repräsentiert keine als bedrohlich codierte Gruppe. Er löst keine Kontroverse über Pushbacks oder Aufnahmequoten aus.