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updated: 2026-03-27T18:33:23.550Z
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updated: 2026-04-15T08:35:18.863Z
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summary: Über den “richtigen” Umgang mit der Corona-Pandemie wird gestritten und debattiert. Über den richtigen Umgang mit den rechtsoffenen Corona-Demos herrscht jedoch eine seltsam anmutende und verstörende Einigkeit.
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@@ -32,11 +32,11 @@ permalink: /articles/perspektiven-auf-die-corona-demos/
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## Pandemische Zustände
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Mich aber treibt um, dass ich persönlich und im Grundsatz mit den “Skeptikern” übereinstimme: der Staat will uns ganz grundsätzlich nichts Gutes. Der Staat will das kapitalistische Gesellschaftssystem und seine Macht erhalten. Das nimmt er als seine ureigenen Aufgaben wahr. Er schützt die Minderheit der Reichen um jeden Preis. Dieser Preis ist für den Staat mal mehr, mal weniger hoch. Wenn die Maschine rund läuft, kostet der Schutz der Wenigen nicht sehr viel, denn die Vielen haben die Machtpraktiken und Sicherheitsdispositive verinnerlicht und in ihre Leben eingebunden.
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Mich aber treibt um, dass ich persönlich und im Grundsatz mit den “Skeptikern” übereinstimme: der Staat will uns ganz grundsätzlich nichts Gutes.[^1] Der Staat will das kapitalistische Gesellschaftssystem und seine Macht erhalten. Das nimmt er als seine ureigenen Aufgaben wahr. Er schützt die Minderheit der Reichen um jeden Preis. Dieser Preis ist für den Staat mal mehr, mal weniger hoch. Wenn die Maschine rund läuft, kostet der Schutz der Wenigen nicht sehr viel, denn die Vielen haben die Machtpraktiken und Sicherheitsdispositive verinnerlicht und in ihre Leben eingebunden.
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Dieser Preis ist grundsätzlich und vor allem durch die vom Staate zugestandene Freiheit bemessen. In pandemischen Zeiten jedoch steigt dieser Preis, wie wir lernen konnten. Die Regierung bat höflichst darum, sich nicht mehr außer Haus aufzuhalten - die Wörter Ausgangssperre, Ausnahmezustand u.ä. wohlwissend vermeidend, denn das wären rechtliche Kategorien, auf die sich im Gegenzug dann auch die Mensch berufen könnte. Den Sinn dahinter, warum man vermeiden wollte, dass sich Menschen, und eben nicht nur die Repressionsorgane, auf das Recht berufen können, werden wir gleich sehen.
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Es gab im Großen und Ganzen zwei Ausnahmen von dieser als Ausgangsbeschränkung getarnten Ausgangssperre: die Versorgung mit Lebensmitteln - und die Arbeit. Nur ein gut genährter Arbeiter kann Mehrwert erzeugen. Über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinausreichend arbeitete man seit über einem Jahrhundert[^1] daran, das Einkaufen und Shopping zu einer freiheitlichen Betätigungen zu machen. Recht erfolgreich, möchte ich an dieser Stelle anmerken. Darauf werden wir beim Versuch, den Begriff der Freiheit zu fassen, welcher im Zusammenhang mit diesen Corona-Demos immer wieder aufblitzt, noch zurück kommen.
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Es gab im Großen und Ganzen zwei Ausnahmen von dieser als Ausgangsbeschränkung getarnten Ausgangssperre: die Versorgung mit Lebensmitteln - und die Arbeit. Nur ein gut genährter Arbeiter kann Mehrwert erzeugen. Über die Befriedigung der Grundbedürfnisse hinausreichend arbeitete man seit über einem Jahrhundert[^2] daran, das Einkaufen und Shopping zu einer freiheitlichen Betätigungen zu machen. Recht erfolgreich, möchte ich an dieser Stelle anmerken. Darauf werden wir beim Versuch, den Begriff der Freiheit zu fassen, welcher im Zusammenhang mit diesen Corona-Demos immer wieder aufblitzt, noch zurück kommen.
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Während also die Wenigen, die Wohlhabenden, sich überhaupt nicht um die Ausgangsbeschränkung scherten, und während der ständig um Aufstieg bemühte Mittelstand und Teile des akademischen Prekariats sich im Homeoffice einrichtete und sich zuvorderst mit der verschlafenen Digitalisierung herumschlug, ging der Großteil der Menschen von der Pandemie völlig unbeeinträchtigt ihrer Arbeit nach. Gerade so, als ob das Virus vor den Werken und Büros Halt mache. Erste zögerliche Stimmen aus der Wissenschaft meldeten, dass sich das Virus nun, da alle Zuhause blieben, wohl über die Landkreisgrenzen vor allem durch Pendler verbreite. Wissend, dass die Maschine auch in pandemischen Zeiten laufen muss und es dazu eben Menschen und vor allem das ihm wohlbekannte “Blut, Schweiß und Tränen” braucht, um die Räder und Rädchen der Maschine zu schmieren, nahm die Regierung möglichst wenig Kenntnis von der Erkenntnis, dass womöglich gerade die tägliche Arbeit ein Verbreitungsweg des Virus sei.
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@@ -70,4 +70,6 @@ Die Rechten, theoretisch, technisch und medial seit Jahrzehnten gut aufgestellt
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> Keine Regierung kämpft gegen den Faschismus, um ihn zu zerstören. Wenn die Bourgeoisie sieht, dass ihr die Macht aus den Händen gleitet, erhebt sie den Faschismus, um an ihren Privilegien festzuhalten. -- Buenaventura Durruti
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[^1]: König, Gudrun M. “Modus Der Moderne. Die Permanente Erfindung Der Konsumenten,” In Transformationen Des Konsums, 99–107. Nomos, 2019.
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[^1]: [Artikel Anarchistische Anthropologie (https://blog.giersig.eu/articles/anarchistische-anthropologie/)
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[^2]: König, Gudrun M. “Modus Der Moderne. Die Permanente Erfindung Der Konsumenten,” In Transformationen Des Konsums, 99–107. Nomos, 2019.
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