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date: 2026-04-21T17:23:42.000Z
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date: 2026-04-21T06:32:15.000Z
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title: 22 Punkte und (keine) Konsequenzen
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summary: Palantir hat ein faschistisches Manifest veröffentlicht - ohne Konsequenzen. Das ist nicht Ausnahme, sondern Diagnose.
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category:
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- on/politics/fascism
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- on/tech
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category: Politik
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updated: 2026-04-21T21:12:07.997Z
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- https://blog.giersig.eu/articles/22-punkte-und-keine-konsequenzen/
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- https://news.indieweb.org/en/blog.giersig.eu/articles/22-punkte-und-keine-konsequenzen/
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mpUrl: https://blog.giersig.eu/articles/22-punkte-und-keine-konsequenzen/
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permalink: /articles/22-punkte-und-keine-konsequenzen/
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Yanis Varoufakis schrieb, das sei das, was das Böse twittern würde. Der Populismusforscher Cas Mudde nannte es „Technofaschismus pur" und forderte das Ende aller Verträge. Der Sicherheitsforscher Davi Ottenheimer legte Punkt für Punkt die historischen Vorläufer frei von Schmitt über Jünger bis Gobineau.
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Das stimmt. Aber darum geht es nicht.
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Es geht darum, dass Palantir das natürlich gewusst hat und es trotzdem gepostet hat. Weil sie recht hatten: Es hat keine Konsequenzen.
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Ein Unternehmen, das Software an CIA, US-Militär, ICE und europäische Polizeibehörden verkauft, hat Mitte April 2026 unter seinem offiziellen X-Account ein Manifest veröffentlicht: Kulturhierarchien als Tatsache. Pluralismus als „hohle Versuchung". Und, wörtlich, die Forderung, dass „die Kastration Deutschlands nach dem Krieg rückgängig gemacht" werden müsse.
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Dann: nichts. Keine Vertragskündigungen. Kein Aufschrei in Innenministerien. Kein Bruch.
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Wer jetzt sagt, das sei nur Marketing, ein Buch-Launch, nicht ernst gemeint - der lügt sich an. Der amtierende CEO hat das Buch persönlich verfasst. Der Unternehmens-Account hat es gepostet. Die Unternehmens-Bio lautet bis heute: *Software that dominates.* Palantir erklärt uns selbst, was es ist: Ideologie und Produkt in einem. Die Frage, ob man das ernst nehmen soll, hat sich erledigt.
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Also: Warum können sie das?
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Nicht warum sie es wollen, das ist offensichtlich. Sondern: Wer oder was schützt sie davor, dafür bezahlen zu müssen?
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Palantirs Kunden kündigen keine Verträge aus moralischen Gründen, weil Palantirs Kunden keine Verbraucher sind. Es sind Staaten. Sicherheitsbehörden. Militärapparate. Genau jene Institutionen, für die These 4 (Soft Power hat versagt, es braucht harte Macht), These 6 (allgemeine Wehrpflicht) und These 17 (Silicon Valley muss Gewaltverbrechen bekämpfen) kein Skandal sind, sondern Auftragsbeschreibung. Palantirs Manifest widerspricht seinem Kundenstamm nicht. Es beschreibt ihn.
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Das ist kein Marktversagen. Das ist der Markt, wie er funktioniert, wenn der Staat der Käufer ist.
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In Deutschland trifft das auf besonders bezeichnende Weise zu. These 15 ist der Kern des Manifests, nicht nur, weil er in der Mitte liegt: „Die Kastration Deutschlands und Japans nach dem Krieg muss rückgängig gemacht werden." Die Entnazifizierung war ein Fehler. Die Demilitarisierung ist Überkorrektur.
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Die Firma, die das schreibt, liefert aktiv Software an die bayerische Polizei. VeRA, eine modifizierte Version von Palantirs Gotham-Plattform, ist im Einsatz. Hessen nutzt Palantir-Anwendungen. NRW schreibt gerade Recherche-Software aus, für die Palantir mitbieten darf.
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Man muss das nur zusammendenken: Die Firma, die Entnazifizierung für einen historischen Irrtum hält, baut die Infrastruktur des deutschen Sicherheitsstaats. Und die deutschen Behörden, die das wissen, haben keinen Vertrag gekündigt.
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Empörung ist angemessen. Aber Empörung erklärt nichts und ändert nichts, solange sie der eigentlichen Frage ausweicht.
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Die eigentliche Frage ist nicht: Wie konnte Palantir das veröffentlichen? Die eigentliche Frage ist: Warum haben sie recht damit, dass es folgenlos bleibt?
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Wenn Überwachungsverträge mit dem Staat nicht daran geknüpft sind, was eine Firma über Demokratie, Pluralismus und Entnazifizierung denkt, dann sind das keine Werte, die in diesem Markt zählen. Dann sind es Dekoration, reine Sonntags-Rhetorik. Palantir hat das jetzt öffentlich kartiert.
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Palantir zahlt dafür keinen Preis. Nicht weil die Empörung zu leise war. Sondern weil die Strukturen, von denen Palantir lebt, längst entschieden haben, dass demokratische Grundwerte keine Vertragsvoraussetzung sind.
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Yanis Varoufakis schrieb, das sei das, was das Böse twittern würde. Der Populismusforscher Cas Mudde nannte es „Technofaschismus pur" und forderte das Ende aller Verträge. Der Sicherheitsforscher Davi Ottenheimer legte Punkt für Punkt die historischen Vorläufer frei von Schmitt über Jünger bis Gobineau.
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Das stimmt. Aber darum geht es nicht.
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Es geht darum, dass Palantir das natürlich gewusst hat und es trotzdem gepostet hat. Weil sie recht hatten: Es hat keine Konsequenzen.
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Ein Unternehmen, das Software an CIA, US-Militär, ICE und europäische Polizeibehörden verkauft, hat Mitte April 2026 unter seinem offiziellen X-Account ein Manifest veröffentlicht: Kulturhierarchien als Tatsache. Pluralismus als „hohle Versuchung". Und, wörtlich, die Forderung, dass „die Kastration Deutschlands nach dem Krieg rückgängig gemacht" werden müsse.
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Dann: nichts. Keine Vertragskündigungen. Kein Aufschrei in Innenministerien. Kein Bruch.
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Wer jetzt sagt, das sei nur Marketing, ein Buch-Launch, nicht ernst gemeint - der lügt sich an. Der amtierende CEO hat das Buch persönlich verfasst. Der Unternehmens-Account hat es gepostet. Die Unternehmens-Bio lautet bis heute: *Software that dominates.* Palantir erklärt uns selbst, was es ist: Ideologie und Produkt in einem. Die Frage, ob man das ernst nehmen soll, hat sich erledigt.
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Nicht warum sie es wollen, das ist offensichtlich. Sondern: Wer oder was schützt sie davor, dafür bezahlen zu müssen?
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Palantirs Kunden kündigen keine Verträge aus moralischen Gründen, weil Palantirs Kunden keine Verbraucher sind. Es sind Staaten. Sicherheitsbehörden. Militärapparate. Genau jene Institutionen, für die These 4 (Soft Power hat versagt, es braucht harte Macht), These 6 (allgemeine Wehrpflicht) und These 17 (Silicon Valley muss Gewaltverbrechen bekämpfen) kein Skandal sind, sondern Auftragsbeschreibung. Palantirs Manifest widerspricht seinem Kundenstamm nicht. Es beschreibt ihn.
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Das ist kein Marktversagen. Das ist der Markt, wie er funktioniert, wenn der Staat der Käufer ist.
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In Deutschland trifft das auf besonders bezeichnende Weise zu. These 15 ist der Kern des Manifests, nicht nur, weil er in der Mitte liegt: „Die Kastration Deutschlands und Japans nach dem Krieg muss rückgängig gemacht werden." Die Entnazifizierung war ein Fehler. Die Demilitarisierung ist Überkorrektur.
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Die Firma, die das schreibt, liefert aktiv Software an die bayerische Polizei. VeRA, eine modifizierte Version von Palantirs Gotham-Plattform, ist im Einsatz. Hessen nutzt Palantir-Anwendungen. NRW schreibt gerade Recherche-Software aus, für die Palantir mitbieten darf.
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Man muss das nur zusammendenken: Die Firma, die Entnazifizierung für einen historischen Irrtum hält, baut die Infrastruktur des deutschen Sicherheitsstaats. Und die deutschen Behörden, die das wissen, haben keinen Vertrag gekündigt.
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Empörung ist angemessen. Aber Empörung erklärt nichts und ändert nichts, solange sie der eigentlichen Frage ausweicht.
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Die eigentliche Frage ist nicht: Wie konnte Palantir das veröffentlichen? Die eigentliche Frage ist: Warum haben sie recht damit, dass es folgenlos bleibt?
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Wenn Überwachungsverträge mit dem Staat nicht daran geknüpft sind, was eine Firma über Demokratie, Pluralismus und Entnazifizierung denkt, dann sind das keine Werte, die in diesem Markt zählen. Dann sind es Dekoration, reine Sonntags-Rhetorik. Palantir hat das jetzt öffentlich kartiert.
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Palantir zahlt dafür keinen Preis. Nicht weil die Empörung zu leise war. Sondern weil die Strukturen, von denen Palantir lebt, längst entschieden haben, dass demokratische Grundwerte keine Vertragsvoraussetzung sind.
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Das ist die eigentliche Nachricht. Nicht, was in diesen 22 Punkten steht - sondern was ihre Folgenlosigkeit über die Gesellschaft sagt, die sie produziert hat.
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